
«Man könnte süchtig werden von diesen Bildern und Farben», meinte kürzlich ein Ausstellungsbesucher. Farbenkraft entfaltete Cuno Amiet nicht nur in der Ölmalerei, sondern auch im Aquarell.
Seine Qualitäten auf diesem Gebiet sind weniger bekannt, dabei bediente er sich während seiner ganzen langen Karriere dieses Mediums. Im Gegensatz zum langsamen, formalen Prozess an der Staffelei, erlaubt das Aquarellieren ein schnelles, unmittelbares Vorgehen. Ist die Aquarellfarbe aber erst einmal aufgemalt, gibt es so gut wie keine Korrekturmöglichkeit. Amiet beherrschte die Technik souverän: Seine Aquarelle bestechen durch ihre spontane Ausdruckskraft, den sicheren Strich und die leuchtende Farbigkeit. In dem hier gezeigten Aquarell setzte er auf die Wirkung der Komplementärfarben Gelb und Blau. Der strahlende Herbstbaum vor dem blauen Hintergrund des Himmels setzt ein kontrastreiches Ausrufezeichen.
Aquarellfarben bestehen aus sehr feinen Pigmenten und einem wasserlöslichen Bindemittel. Die Farben werden mit Wasser verdünnt und mit einem Pinsel auf den Malgrund – in der Regel Papier – aufgetragen. Im Gegensatz zu anderen Maltechniken schimmert der Untergrund durch die Aquarellfarbe hindurch. Die Farbwirkung entsteht durch das übereinanderlegen dünner Farbschichten auf das Papier. Aquarellfarben lassen sich beliebig miteinander vermischen, so kann man aus den Grundtönen Blau, Rot und Gelb alle Farbtöne erreichen. Es gibt keine weisse Aquarellfarbe; will man weisse Flächen oder Lichter erzielen, lässt man den Papierton unberührt stehen. Die Aquarellmalerei ist eine alte Maltechnik. Aus dem alten Ägypten ist bemalter Papyrus erhalten und aus dem asiatischen Raum Kalligraphie mit wasserlöslichen Tuschen. Im Spätmittelalter wurde die Aquarellmalerei zum Kolorieren von Umrisszeichnungen in der Buchmalerei und druckgraphischen Arbeiten verwendet. Im 15. Jahrhundert erkannte Albrecht Dürer das Potenzial der Aquarellmalerei. Doch erst Jahrhunderte später führte William Turner die Aquarellmalerei zu technischer Meisterschaft. Mit den Impressionisten wurde das Aquarell zu einer eigenständigen Kunstform.
In der aktuellen Ausstellung sind noch weitere Aquarelle von Cuno Amiet zu bewundern.
Quellen: Wikipedia, malen-lernen.org/aquarell