

Scheinwerfer an und Licht auf die beiden Künstlergattinnen: Constance Righini geb. Macpherson (1871–1957) und Anna Amiet geb. Luder (1874-1953).
Sie hielten ihren Ehegatten den Rücken frei, kümmerten sich um Familie, Haus und Garten und standen ihren Männern häufig Modell. Constance Macpherson stammte aus einem schottischen Adelsgeschlecht und kam ursprünglich zwecks Malstudium auf den Kontinent. Sie besuchte die private Kunstschule Académie Colarossi in Paris, eine der wenigen Schulen, die auch Frauen zum Unterricht zuliess. Dort traf sie auf den gebürtigen Tessiner Sigismund Righini – vermutlich ein «coup de foudre». Die beiden heirateten wenig später (1893), liessen sich zuerst im Tessin und dann ab 1898 dauerhaft in Zürich nieder. Constance gab in der Folge ihre künstlerischen Ambitionen auf und unterstützte ihren Ehemann, der nach aussen so souverän auftrat und nach innen so empfindlich war, nach Kräften. Sie nahm sich aber auch ihre kleinen Freiheiten heraus: Righini ertrug keinen Lärm und hasste Vogelgezwitscher, aber sie hielt sich einen grossen Vogelkäfig im Badezimmer. Die englischen Tea-Parties mit ihren Freundinnen erledigte sie, wenn ihr Mann auf Reisen war. Die Tochter Katharina zeichnete ein einprägsames Bild ihrer Eltern: «Der Vater sass den Rücken gegen die offene Veranda, Abendrot des Sommertages auf den Schultern, purpurumsäumt die mächtige Silhouette, die Mutter in seiner Nähe. – Des Meisters Erscheinung war einmalig: Wer ihn gesehen, wird ihn nicht mehr vergessen und mit niemand verwechseln. Respekt und Furcht einflössend war die grosse Gestalt, dunkles Haar und dunkler Blick, ein Herrscher mit flammendem Bart. Neben dem Dunkeln, Vulkanischen, allzeit Ausbruchsbereiten, war an der Mutter alles hell und blond, ein englisches Aquarell: zart und lieblich.»
Cuno Amiet hatte seine künftige Ehefrau bei seinen Malstunden mit Frank Buchser in Hellsau kennengelernt. Anna Luder war die Tochter des Wirts von Hellsau und eine fröhliche und gastfreundliche Person. Nachdem Amiet von seinen Studienjahren zurückgekehrt war, heirateten die beiden und liessen sich im ländlichen Oschwand nieder. Die Amiets pflegten ein offenes Haus, luden Freunde, Kunstschaffende und Sammler ein. Anna Amiet bewirtete alle ihre Gäste aus dem mit grosser Sorgfalt gepflegten grossen Nutzgarten. Es soll eine sehr harmonische und glückliche Ehe gewesen sein, wie Freunde und Weggefährten berichten. Den Schmerz darüber, keine eigenen Kinder haben zu können, trugen sie gemeinsam. Sie nahmen zwei Adoptivtöchter auf und kümmerten sich um die Bauernkinder der Region.
Beide Damenbildnisse sind in hellen, zarten Farben gehalten und verblüffen heute durch ihre speziellen Hutkreationen. Constance wirkt in ihrem hochgeschlossenen Kleid und den ernsten Augen etwas streng und nachdenklich. Anna trägt ein Lächeln auf den Lippen. Keine Umrisslinien zeichnen das Profil nach: ihre Konturen erwachsen allein aus den Schattierungen der verschiedenfarbenen Tupfen. Ein technisches Meisterstück von Cuno Amiet. Diese Porträts der Künstlergattinnen waren in einer gemeinsamen Ausstellung von Sigismund Righini und Cuno Amiet 1908 in Aarau zu sehen – und nun noch für kurze Zeit in unserer aktuellen Ausstellung. – Wir ziehen den Hut!